Sonntagsruhe, Erlösung und Glaubwürdigkeit der Bibel in der Enzyklika Laudato Si

Was meint der Papst, wenn er von der Sonntagsruhe als Heilung des Bruchs von Beziehungen spricht? Welche Bedeutung hat der biblische Schöpfungsbericht für ihn?
Ergänzung zur Broschüre "Klimaschutz durch Sonntagsruhe? Recycling eines alten Systems"
Es ist nicht etwa so, dass Gott in der Bibel nichts zum Umgang mit der Natur zu sagen hätte: Er gibt uns sinnvolle Arbeit durch die Betätigung in der Natur, mit deren Hilfe wir unsere Nahrung, Kleidung, Schutz und Wärme gewinnen. Er gibt uns sogar einige Hinweise, wie wir die Natur schützen, indem wir Raubbau vermeiden, gewisse Rhythmen beachten und die Versorgung der Armen berücksichtigen. Und er schenkt uns mit Seinem Ruhetag, dem Sabbat Zeit, um Gott nicht zu vergessen, der uns bei all unserem Bemühen um ein gutes Leben tatsächlich am Leben erhält.
Der Sabbat, wie wir ihn in der Bibel finden, hat wirklich den tiefen Sinn, echte Ruhe zu finden, mit der Arbeit aufzuhören, Befreiung von Lasten und Freude an und in der Natur zu erleben – und inneren Frieden in der Gemeinschaft mit Gott zu finden. Das geht aber eben nicht losgelöst vom Schöpfer.
Viele Christen übertragen das Sabbatgebot einfach auf den Sonntag, ohne sich bewusst zu sein, dass Gott nur diesen einen Tag, den Sabbat, gesegnet und geheiligt hat. Dieses Vorgehen können wir auch in der Umweltenzyklika des Papstes erkennen. Der Verabredungstermin mit Gott ist und bleibt aber der siebte Tag der Woche, der Sabbat (Samstag, Sonnabend, As-Sabt).
Bedeutung der Sonntagsruhe im Sinne von Laudato Si
Wäre es nicht gut, wenn der Papst den Original-Sabbat-Tag zur Begegnung mit Gott vorschlagen und hervorheben würde? Oder gibt es noch mehr Unterschiede zwischen der Sonntags- und der Sabbatfeier als nur die zwei unterschiedlichen Tage? Auf den ersten Blick nicht. Mit dem Hinweis auf den „jüdischen Sabbat“ in seiner Enzyklika soll der Sonntag zu einem echten Ruhetag ohne Arbeitsdruck werden, nicht ein Tag des Nichtstuns, sondern ein Tag, an dem die ruhige Betrachtung, das „Genießen“ des Geschaffenen dazu führt, den Sinn des Geschaffenen nicht aus den Augen zu verlieren. Das ist in der Tat ein anderes Auftreten der katholischen Kirche, die seit dem Konzil von Orleans 888 n. Chr. die Sonntagsfeier ganz und gar nicht am biblischen Beispiel der Sabbatruhe ausrichten wollte.1 In der Ruhe sieht der Papst zudem eine „Ausweitung des Blickfeldes, die erlaubt, wieder die Rechte des anderen zu erkennen.“ Dieser Tag soll „sein Licht“ über die ganze Woche ausstrahlen und uns motivieren, für die Armen und die Natur zu sorgen.2 (Franziskus, 2015)
Das klingt zunächst einmal sehr ähnlich und gut wie die biblische Botschaft. Bei weiterer Betrachtung der Enzyklika wird aber deutlich, dass der Sonntag als Mittel zur Heilung des Bruchs zwischen Mensch und Gott, Mensch und Mensch und Mensch und Natur, dienen soll. An anderer Stelle (unter Nummer 66 in seiner Enzyklika Laudato Si)3 bezeichnet der Papst diesen Bruch der Beziehungen als Sünde.
Die zentrale Botschaft der Bibel aber sagt, dass Jesus Christus selbst, die Trennung von Gott geheilt hat. Durch ihn erfahren wir Vergebung und nur ER befähigt uns zu einer echten Hinwendung zu unserem Mitmenschen und zur Natur. Nicht die Einhaltung des Sonntags, noch irgendeines Tages, noch eine andere „gute Tat“ von uns kann die Sünde heilen, denn Gott selbst bietet sein Opfer am Kreuz zur Erlösung an, das wir im Vertrauen auf ihn nur als Geschenk anzunehmen brauchen. Durch das, was Jesus für uns getan hat und tut, werden wir befähigt, Gottes Willen zu tun, nicht durch das Einhalten eines Ruhetages. Sieht man den Ruhetag als Hilfe, um die Erlösungsbotschaft besser zu erfassen, dient er dem Menschen wirklich. Doch den Sonntag zu halten, kann die Sünde, den „Bruch“ nicht heilen.
Wenn der Bibeltext nur symbolische Bedeutung hat
Um die Aussagen des Papstes zur Erhaltung der Schöpfung richtig einordnen zu können, muss man sich die bereits erwähnte Stelle unter der Nummer 66 seiner Enzyklika genau anschauen.2 (Franziskus, 2015) Dort erkennen wir, dass der Papst ein anderes Verständnis von der Bibel hat als ein bibelgläubiger Protestant beispielsweise. Für ihn (und für viele andere Theologen) ist der biblische Schöpfungsbericht eine Erzählung in symbolischer Sprache, die nicht wörtlich zu verstehen ist, sondern uns lediglich bestimmte Wahrheiten vermitteln will. Somit wäre die Schöpfung, wie sie am Anfang der Bibel berichtet wird, nicht wirklich so passiert.
Damit hätte aber auch der Sabbat nicht wirklich die (schöne) Bedeutung, die wir bei einem wörtlichen Verständnis des biblischen Berichts erkennen können. Warum sollte Gott an einem Tag ruhen und diesen Tag heiligen, wenn die Welt sowieso nicht in sechs Tagen geschaffen wurde. All die Begründungen im Schöpfungsbericht und auch in den Zehn Geboten würden unglaubwürdig werden. Und damit würde den Gesetzen Gottes, besonders den Zehn Geboten, jeglicher Gültigkeitsanspruch und jegliche Kraft fehlen. Wenn das Gesetz Gottes aber nicht verbindlich wäre, hätte Jesus Christus gar nicht kommen und für unsere Schuld sterben müssen. Welcher Bericht der Bibel wäre dann überhaupt noch so zu verstehen, wie er geschrieben steht? Der christliche Glaube wäre dann auch nichts anders als eine beliebige Philosophie. (Geschichtliche und archäologische Quellen zeigen aber an vielen Beispielen sehr deutlich und wissenschaftlich nachvollziehbar, dass biblische Berichte der Wahrheit entsprechen!) Wenn die als Tatsachenberichte verfassten Aussagen der Bibel nicht so zu nehmen wären, wie sie dastehen, ist Jesus dann überhaupt wirklich auferstanden, wie wir es nachlesen und an Ostern in den Kirchen hören können? Wenn nicht, dann sind wir als Christen Betrogene, oder wie Paulus schreibt „die elendsten aller Menschen“: „Wenn aber Christus nicht auferweckt ist, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden. 18 Also sind auch die, welche in Christus entschlafen sind, verloren gegangen. 19 Wenn wir allein in diesem Leben auf Christus gehofft haben, so sind wir die elendesten von allen Menschen.“ (1. Korinther 15, 17-19. Elb)
Mit dem Nichtanerkennen des wörtlichen Schöpfungsberichts der Bibel, wie es uns unter der Nummer 66 der Enzyklika „Laudato Si“3 gezeigt wird, und mit der unverbindlichen Haltung zur Bibel als geschriebenes Wort Gottes, macht die römisch-katholische Kirche den Weg frei für alle Nichtgläubigen sowie für die Gläubigen aller Religionen, um sich an den religiös motivierten Bemühungen der römisch-katholischen Kirche um den Klimaschutz zu beteiligen.
[1] Vgl. The Catholic Record. London, Canada, 01.09.1923, Vol. XLV, #2342, S. 4
[2] Vgl. Papst Franziskus: Enzyklika Laudato Si. Nr. 237. Vatikan (2015) auf https://www.vatican.va/content/francesco/de/encyclicals/documents/papa-francesco_20150524_enciclica-laudato-si.html, zuletzt aufgerufen am 16.12.2022
[3] „66. Die Schöpfungsberichte im Buch Genesis enthalten in ihrer symbolischen und narrativen Sprache tiefgründige Lehren über das Menschsein und seine historische Wirklichkeit. Diese Erzählungen deuten an, dass sich das menschliche Dasein auf drei fundamentale, eng miteinander verbundene Beziehungen gründet: die Beziehung zu Gott, zum Nächsten und zur Erde. Der Bibel zufolge sind diese drei lebenswichtigen Beziehungen zerbrochen, nicht nur äußerlich, sondern auch in unserem Innern. Dieser Bruch ist die Sünde. …“ Papst Franziskus: Enzyklika Laudato Si. Nr. 66. Vatikan (2015) auf https://www.vatican.va/content/francesco/de/encyclicals/documents/papa-francesco_20150524_enciclica-laudato-si.html, zuletzt aufgerufen am 16.12.2022
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